Meike Zopf | Polka of Valentine | 23.11.- 30.12.2013 | Berlin

Meike Zopfs Malereien können auf den ersten Blick wie farbenfrohe Idyllen wirken. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der harmlose Eindruck der Szenarien jedoch als Täuschung und wir sehen uns konfrontiert mit Bildern der Unruhe, die Assoziationen zu Gewalt und Zerstörung anstoßen. Das Werden steht hier in direkter Verbindung mit dem Vergehen. Schön schön! (2012) zeigt eine Anordnung abstrakter Formen, die sich auf einem gelben Hintergrund ausbreiten. Farbe wird zu Kreisen, Linien, verdichtet sich zu etwas fast Benennbarem, löst sich wieder vom Gegenständlichen, um als reine Farbe, Linie, Oval, zu erscheinen. In dieser Formenvielfalt ist eine Frau platziert. Ihr Blick ist von leicht unten direkt auf den Betrachter gerichtet, sie trägt eine geordnete Haartracht, eine uniformartige Jacke. In welchem Zusammenhang steht diese streng anmutende, klar erkennbare Gestalt mit der farbenfrohen Ansammlung von abstrakten Formen und den Schriftzügen „SCHÖN SCHÖN“, „TAKE IT“, „NONO“, „NO“ und „ON“? Werden wir aufgefordert, immer „on“, also immer präsent zu sein? Oder werden wir gemaßregelt? Bezieht sich das „schön schön“ auf das Bild, auf die schöne bunte Welt der scheinbar unendlichen, aber nur schemenhaft erkennbaren Vielfalt? Sollen wir zugreifen? Das Bild selbst gibt keine Antwort, sondern lädt ein, den eigenen Assoziationen zu folgen und sich einzulassen auf Meike Zopfs Bearbeitungen von Medienbildern in der Kombination mit eigenen Assoziationen im Prozess des Malens, des Durcharbeitens von Bildern.

(Kathrin Meyer)

Meike Zopf, geboren 1972 in Berlin, studierte Kunst an der UdK Berlin und in Hannover bei Verena Vernunft und Christian Riebe, deren Meisterschülerin sie war. Ihre Werke waren und sind in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Sie lebt und arbeitet in Hannover und Berlin.

 

 

DANIEL HARMS | REDUX | 09.2013 | Berlin

Lukas Hoffmann & Ulrich Riedel | Eine Quersumme | 01.2013 | Berlin

Doppelausstellung  ǀ  Januar – März 2013


Unter dem Titel „eine Quersumme“ zeigte BERLINARTPROJECTS zum Jahresauftakt Arbeiten des Fotografen Lukas Hoffmann sowie des Bildhauers Ulrich Riedel.

Entstanden aus dem Wunsch der befreundeten Künstler, ein gemeinsames Ausstellungsprojekt zu realisieren, zeigt die Ausstellung einzelne Werke ebenso wie Arbeiten, die deutlich aufeinander Bezug nehmen. Dabei geht es jedoch weniger um die inhaltliche und formale Addition einzelner Werke, als um das Kontrastieren oder Aufdecken der medialen Besonderheiten des jeweiligen Mediums und der spezifischen künstlerischen Herangehensweise der beiden Künstler. Ein ständiges Suchen und Sehen in einer vom Menschen durchwirkten Umwelt bildet den Ausgangspunkt des künstlerischen Schaffens beider.

Lukas Hoffmanns „Stück Holz, Brohl“ zeigt ein Close up einer monolithischen Holzscheibe vor der Flucht einer nackten Betonwand. Zunächst ein Zufallsfund, macht die Aufnahme das Objekt zum Ergebnis einer konzentrierten oft tagelangen Suche nach einer bestimmten Struktur/ Konstellation, nach dem optimalen Verhältnis von Form und Licht. Hoffmann dokumentiert einen unwiederbringlichen und damit einzigartigen Moment. Er schafft ein beinahe sakral anmutendes Abbild einer Wirklichkeit, die sich unserer alltäglichen Wahrnehmung entzieht und sich lediglich dem fokussierten Blick des suchenden Fotografen offenbart.

Ulrich Riedels Arbeit „ein Dutzend“ hingegen zeigt nur einen von vielen möglichen Momenten. Die zwölf lakonisch aufgestapelten Objekte aus dünnem Eschenholz erinnern an Holzscheite, das warme Material legt die Assoziation eines Kaminfeuers nahe. Doch sind die polygonalen Scheite stilisiert, entkernt und ihres Brennwertes beraubt. Welches Bild der Wirklichkeit bleibt, wenn ausschließlich die Form darauf verweist? Riedel geht bei der Anordnung der entfunktionalisierten Scheite intuitiv vor, er folgt keinerlei Muster. Jede neue Installation bedeutet eine neue Anordnung. Daraus ergibt sich eine Vielzahl miteinander konkurrierender Variationsmöglichkeiten und jede stellt die vorangegangene in Frage.

Weitere Arbeiten dokumentieren die Eigengesetzlichkeiten ihrer medialen Präsenz. Eine in der unbedingten Kausalität von aufgenommenem Objekt und fotografischem Abbild bestehende Eigentümlichkeit der Fotografie steht dem bildhauerischen Objekt mit seiner räumlichen Präsenz, der es  kaum entkommen kann, gegenüber.

Lukas Hoffmann | 1981 in Zug in der Schweiz geboren | 2003 bis 2007 Studium der bildenden Kunst an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris | 2009 bis 2011 Programme de recherche La Seine (ENSBA Paris) | Atelierstipendien in Antwerpen (2008 / 2009) und Berlin (2011) | Regelmässig Einzelausstellungen sowie Teilnahmen an Gruppenausstellungen | Lebt und arbeitet in Berlin

Ulrich Riedel | geboren 1979 in Berlin | Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin | Sokrates Stipendiat, Sydney College of Fine Arts, Australien | Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin bei Michael Schoenholtz, Tony Cragg, Florian Slotawa und David Evison | Meisterschüler bei Tony Cragg und Florian Slotawa | 2012/ 2011 Ausstellungen u.a. im Kunstverein Arte Noah (Einzelausstellung), Museum Kulturspeicher Würzburg, Motorenhalle Dresden | Riedel lebt und arbeitet in Berlin.

 

 

Yaşam Şaşmazer & Ismail Necmi | Doppelgänger & Should I Really Do It? | 04.2013 | Berlin

Anlässlich des Gallery Weekend präsentierte BERLINARTPROJECTS zwei junge türkische Künstler in zwei Ausstellungen in ihren Räumen am Mehringdamm 33. Yasam Sasmazer und Ismail Necmi gehören beide zum ständigen Programm der Galerie, beide leben und arbeiten in Istanbul und Berlin und repräsentieren wichtige künstlerische Positionen innerhalb der türkischen Kunstszene. 


 

Yasam Sasmazer ǀ Doppelgänger

Sasmazers „Doppelgänger“ Figuren, die eigens für die erste Museumsausstellung der Künstlerin im Künstlerhaus Marktoberdorf im Sommer des vergangenen Jahres entstanden, wurden erstmals in Berlin gezeigt. Hintergrund der fünf Skulpturen und Skulpturengruppen umfassenden Serie ist die literarische Vorlage des Doppelgängers. Anknüpfend an frühere Werke, insbesondere an die unmittelbar vorangegangenen „Schatten“ Skulpturen, sind Sasmazers Figuren, zunächst Kinder, später Heranwachsende, erwachsen geworden. Modell ist die Künstlerin selbst. Ihre aus Holz geschnitzten „Doubles“ stehen dem Betrachter nun in voller Lebensgröße gegenüber; verstörend, unheimlich und unmittelbar. Den „Versuch eines Blicks in den Spiegel“ nennt die Künstlerin selbst ihr neues Projekt. Sie folgt damit der Theorie Lacans, verweist erneut auf C. G. Jungs Archetypen – und auf Sigmund Freuds „Das Unheimliche“. Ging es ihr in der Schattenserie in erster Linie um die Auseinandersetzung mit der eigenen dunklen Seite, um Gedanken und Gefühle, die von der Gesellschaft als negativ bewertet werden und dennoch zur Ganzheit einer Persönlichkeit gehören, sucht sie in der „Doppelgänger“ Serie die Konfrontation mit dem eigenen Spiegelbild. Dabei sind Sasmazers Figuren weniger Studien ihres eigenen Charakters. Vielmehr zeigen sie die unterschiedlichen Facetten und Eigenschaften, die einen Charakter  ausmachen, wie einzelne „Puzzleteile“ aus denen sich eine Persönlichkeit zusammensetzt. Es geht ihr um Identität; um Fremd- und Eigenwahrnehmung.

Ismail Necmi | Should I really do it?

Nach der ersten Einzelausstellung mit dem Fotografen und Filmemacher Ismail Necmi, in der wir 2011 zur Berlinale schwarz/ weiß Aufnahmen seiner Serie „Stills from Unmade Films“ zeigten, wurde nun sein 2009 entstandenes Filmdebüt „Should I really do it?“ präsentiert.  Der Film, den Necmi als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in einer Person verwirklicht hat, wurde auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet. Er erzählt die Geschichte von Petra, einer in Istanbul lebenden Deutschen – und kehrt damit ironischerweise das Muster türkischer Migranten um. Petras Leben nimmt derart unerwartete Wendungen an, dass der Film stellenweise wie reine Fiktion erscheint. Doch was wir sehen, ist nicht mehr und nicht weniger als gelebtes Leben – eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann. In ihren Sitzungen mit Herold, einem maskierten, mysteriösen Charakter, offenbart Petra ihm und uns ihr Leben; erzählt mit beeindruckender Aufrichtigkeit von ihrem Dasein und ihren Erfahrungen zwischen zwei Kulturen: von Istanbul, Deutschland, von Familie und Freunden, von Drogenkonsum und dem Tod. Kann die Realität wirklich überraschender sein als Fiktion? Ebenso wie in der parallel gezeigten Auswahl der „Stills from Unmade Films“ lässt Necmi auch hier mit spielerischer Sicherheit die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie und Kunst fließen. Er entführt den Zuschauer an den schmalen Grad einer schwer greifbaren Zwischenwelt, in der jeder ohne Erklärung und ohne Kompromisse der sein kann, der er sich wünscht zu sein.

Ausstellungsansichten